„Das braune Netzwerk“ – Ein Lehrstück in Sachen Propaganda

cropped-img_4295.jpgVon Boris T. Kaiser

„Das braune Netzwerk“, so heißt eine Dokumentation die der WDR in diesen Tagen über den Äther schickte. Die Macher versprechen die geheimen Verbindungen in der rechten Szene von AfD über rechtsextreme Burschenschafter und international bekannten „White-Power“-Aktivisten bis hin zur NPD aufzudecken. Das klingt spannend. Das klingt investigativ. Das klingt spektakulär.

Wer sich von der Doku aber echte Enthüllungen erhofft hat, wird in den knapp 44 Minuten Laufzeit herbe enttäuscht werden. Der Film hat etwa den neuigkeitswert einer 20 Jahre alten Ausgabe der Zeitschrift „Brigitte“. Er deckt nichts auf, was nicht schon lange im Raum stand und liefert keinen einzigen neuen Beweis für uralte Vorwürfe und Behauptungen.

Dennoch ist der Bericht als Zeitdokument hochinteressant. Zeigt er doch sehr anschaulich wie Propaganda heute funktioniert.

Schon im Intro der Doku wird voll auf die die Ansprache von Emotionen gesetzt. Von unheilvoller Musik und einer ebenso unheilvoll geschwängerten Kommentatoren-Stimme unterlegt, werden hasserfüllte Gesichter sogenannter Wutbürger gezeigt, Beziehungsweise Menschen, die so aussehen wie Menschen eben aussehen, wenn sie auf einer Demonstration Parolen rufen. Man hätte solche „hasserfüllten“ Demonstranten also auch auf jeder Gewerschafts-Demo oder Refugees-Welcome- und Anti-Globalisierungs-Demonstration der Linkspartei aufnehmen können. Nur hätte man sich dann die Mühe machen müssen, die Deutschlandfahnen von Hand in die Bilder hineinzumontieren. Zuviel Arbeit zum Beispiel mit echter Recherche, das wird mit jeder Minute des Films offensichtlicher, wollten sich die Gesinnungs-Journalisten vom öffentlich rechtlichen Fernsehen aber nicht machen. Die gesamte Doku hindurch schneidet man wild hin und her zwischen Demonstrationen von AfD, NPD, Identitäter Bewegung und anderen politischen Aufmärschen aus dem rechten oder vermeintlich rechten Spektrum, um den Eindruck zu erwecken, die Bilder seien auf ein und der selben Veranstaltung aufgenommen worden. Das ist nicht ungeschickt. Ein Großteil der Zielgruppe wird diesen billigen Taschenspielertrick nach der dritten Flasche toskanischem Rotwein wohl tatsächlich garnicht mehr bemerkt haben.

Auch bei den zahlreichen Interviews und O-Ton-Einspielungen verfährt das Redaktionsteam nach der gleichen Masche. Unter Interviews und Reden von AfD-Politikern und Mitgliedern ihrer Jugendorganisation der „Jungen Alternative“ werden immer wieder Äußerungen von völlig bedeutungslosen Extremisten gemischt, die weder mit der AfD noch mit der JA irgendetwas zu tun haben, aber für sich selbst und die WDR-Redakteure propagandatauglich vom 4. Reich und dem was da nach der AfD komme schwadronieren. So etwas zeigt man als linker Journalist natürlich gerne. Dass man damit wirren faschistischen Exzentrikern, die bis dato nicht einmal im nationalistischen Lager ernst genommen wurden, eine Plattform bietet nimmt man, im Dienst der guten Sache, gerne in Kauf.

Das ganze garniert man dann noch mit den altbekannten Klischees und Behauptungen über Burschenschaften und Identitäre, deren Distanzierung vom Rechtsextremismus natürlich unglaubhaft seien. Tief im Innersten sind sie, genau wie die AFDler, so lässt der WDR-Bericht uns wissen, alle Nationalsozialisten und eng mit der rechtsradikalen Szene vernetzt. Als Beweis dafür genügen ein paar Verbindungslinien, die man zwar nicht wirklich beweisen kann, die man aber via Bildverarbeitung als wirkungsvollen optischen Effekt fröhlich hin und her zieht, und die üblichen verdächtigen „Rechtsextremismus-Forscher und Soziologen als Kronzeuge. Fertig ist der Propagandafilm!

Nur einmal kann der Film zumindest etwas bedenkliche Verbindungen klar nachweisen. Die zwischen einigen AfD-Promis und dem umstritteneren Rechts-Intellektuellen Götz Kubitschek sowie dem tatsächlich ziemlich unappetitlichen Compact-Magazin. Allerdings waren diese längst bekannt und werden auch innerhalb der AfD scharf kritisiert. Wer dies also für eine Enthüllung hält, der hält wahrscheinlich auch das Burka-Verbot für Zwangs-Striptease oder den WDR für einen politische neutralen staatsfernen Fernsehsender.

Wer sich selbst überzeugen möchte, ob ich das öffentlich rechtliche Propaganda-Machwerk richtig beschrieben habe, der kann sich den Beitrag hier gerne antun. Er sollte sich aber vielleicht schon mal einen Eimer neben den Fernsehsessel stellen. Der Film kann zu plötzlichem Erbrechen führen.

http://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/die-story/video-das-braune-netzwerk-100.html

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