Leo der Dummschwätzer

11225257_10153404254354714_5700774111704688172_nBoris T. Kaiser

Leonardo DiCaprio hat endlich seinen Oscar bekommen. Wenn ich den Menschen in meinen Facebook- und Twitter-Timeline glauben darf, hochverdient. Ich selbst konnte mich bisher noch nicht dazu durchringen mir einen seiner Filme anzuschauen, bzw. es hat bisher noch keine Frau geschafft, mich dazu zu überreden sie zum Leo-Anschmachten ins Kino zu begleiten. Über die Leistung des Hollywood-Beaus in seinen Filmen kann ich also wenig sagen. Was ich aber sagen kann ist, dass DiCaprio gleich noch einen zweiten Oscar verdient gehabt hätte, und zwar für seine Dankesrede, oder auch für sein Lebenswerk als „Der Dummschwätzer“, einer langatmigen Tragik-Komödie über einen Klima-Aktivisten mit eigenem Privatjet. In seiner Ansprache an die Welt warnte der Dummschwätzer eindringlich: 

„Unsere Produktion musste an den südlichsten Zipfel dieses Planeten reisen, um überhaupt Schnee zu finden.
Klimawandel ist Realität. Er geschieht in diesem Moment. Er ist die dringendste Bedrohung, die alle Geschöpfe betrifft. Und wir müssen zusammen arbeiten und aufhören zu zögern.“

So sehr es mir schmeichelte, dass ein Star von DiCaprios Format von sich und mir in der Wir-Form sprach, habe ich mich doch gefragt: Wie genau will Leo mit mir „zusammenarbeiten“ um den Klimawandel aufzuhalten? Müssen wir ernsthaft irgendetwas dafür tun? Muss er auf seine Vergnügungsreisen nach Las Vegas verzichten, oder ich auf meinen Kaffee? Zum Glück nicht, wie ich kurz darauf zu meiner Erleichterung vernahm. Alles was wir tun müssen ist:

„Wir müssen die Regierenden weltweit unterstützen, die sich nicht für die großen Umweltverschmutzer oder großen Konzerne einsetzen, sondern für alle Menschen – für die Eingeborenen dieser Welt, für die Milliarden von Unterprivilegierten, die der Klimawandel am meisten betreffen wird, für die Kinder unserer Kinder und für die Leute da draußen, deren Stimmen von einer Politik der Habgier übertönt werden.“

Also Ihr Regierenden dieser Welt, meine Unterstützung habt Ihr! Ich habe zwar immer noch meine Zweifel, ob der Klimawandel wirklich Menschen- Bzw. Konzerngemacht ist, und könnte mir vorstellen, dass sich zumindest einige „Eingeborene dieser Welt“ über ein paar Grad wärmeres Wetter durchaus freuen würden, aber ich würde mich auch gerne mal so moralisch überlegen fühlen wie ein von Pathos und Selbstgerechtigkeit strotzenden Hollywoodschönling. Sollte ich irgendwann mal über die finanziellen Mittel verfügen, kaufe ich auch gerne eine Insel für mich und meine Freunde, auf der wir dem Pöbel vorleben können, dass eine bessere Welt möglich ist. Bis dahin mache ich das was alle Gutmenschen tun, um die Welt zu retten: „Klug“ daherschwätzen und im Großen und Ganzen leben wie alle anderen Leute auch. Aber mit deutlich besserem Gewissen.

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