KIZ – Kitschlinke im Zerstörermodus

Von Boris T. Kaiser

Die Deutschrap-Crew KIZ schockieren derzeit die biedere deutsche Öffentlichkeit mit dem Video zu ihrer neusten Single „Boom Boom Boom“. Mich persönlich hat der Song und der dazugehörige Musikclip allerdings eher gelangweilt. Wahrscheinlich bin ich schon zu lange Hip-Hop-Fan oder kenne die linke Szene einschließlich ihrer popkulturellen Ausläufer zu gut, als dass mich „krasse“ Gewaltphantasien und die expliziten Texte noch in irgendeiner Weise aus der Fassung bringen  könnten. Also konnte ich mich, ohne in eine längere Schockstarre zu verfallen, direkt mit dem Inhalt des Werkes befassen, und da muss ich als einstiger Fan der Combo leider sagen, sieht es doch reichlich mau aus. Klassisch links-elitäre Volks- und Mittelstandsverachtung, wie man sie schon tausendfach in anderen Songs gehört hat. Wer sich nicht an der linken Revolution beteiligen will, indem er auf dem Weg zur Kneipe mal ein Auto abfackelt oder zumindest ein Lied darüber schreibt, wird als kurzsichtiger, „Bild“-zeitungslesender Vollidiot abgestempelt. Die Angst um den eigenen Arbeitsplatz wird aus der Sicht von „Künstlern“, deren größte Sorge es im Leben bisher war, sich vor jeglicher harten Arbeit zu drücken, als verachtenswerte Sklavenmoral herabgewürdigt. Alles nicht neu. Alles nicht sonderlich innovativ. Genau so wenig wie die antikapitalistische Attitüde, die über all dem schwebt.

Von „Ton, Steine, Scherben“ über „WIZO“ bis hin zu Pop-Punks wie den „Ärzten“ oder den „Toten Hosen“ hat es das skurril anmutende Phänomen gegeben, durch das Anprangern des Kapitalismus möglichst viele Tonträger verkaufen zu wollen. Zwar hat dieses Spiel in der Vergangenheit, das muss man „KIZ“ lassen, kaum einer in dieser Konsequenz und Härte betrieben, allerdings wurde das Ganze auch nur selten unkreativer verpackt. Ein Text, wie ihn jeder wütende 14-Jährige schreiben könnte, ein Clip in „zeitgemäßer“ IS-Terrorvideo-Optik und eine undifferenzierte und schier unerträgliche verharmlosende Gleichsetzung von „Partypatrioten“, patriotischen Europäern und Neonazis. Das Ganze abgerundet mit der Vereinnahmung des Leides von afrikanischen Flüchtlingen zu den eigenen Zwecken, wie sie Linke derzeit in nahezu jeder noch so kleinen deutschen Ortschaft betreiben. Alles Dinge, die den Rappern sicherlich früher oder später einen Auftritt in der ZDF „Satire“-Show „Die Anstalt“ einbringen werden, mich persönlich aber in ihrer medialen Dauerschleifigkeit nur noch ermüden.

Ich muss allerdings zugeben, dass mir all dies in meiner Teenagerzeit und wahrscheinlich sogar noch mit Anfang Mitte 20 wahnsinnig gut gefallen hätte. Ich hätte die Antikapitalismus-Hymne wohl rauf und runter gehört und dabei von der Weltrevolution geträumt. Aber heute, mit über 30, sprich, in einem Alter, in dem auch die Mitglieder von KIZ mittlerweile in etwa sind, kann mir ein solches Werk nur noch ein müdes Lächeln und ein wenig Ärger über so viel Unkreativität und künstlerische Flachheit entlocken. Wer mit 20 kein Sozialist ist, hat kein Herz, wer es mit über 30 noch ist, hat keinen Verstand oder will damit Geld verdienen. Es gibt neue Teens und Twens, die den Song feiern, wie ich ihn einst gefeiert hätte, von daher: Aus kapitalistischer Sicht alles richtig gemacht. Glückwunsch KIZ.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s