Und täglich grüßt die Doppelmoral

Von Boris T. Kaiser

„Wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht das Selbe“, heißt eine alte Redensart, die mir in letzter Zeit mehr und mehr an an Wahrheitsgehalt und Bedeutung zu gewinnen scheint. Man könnte den Sinn dieses Spruches auch auf die einfache Formel bringen,

a) dass rechts eben nicht links ist, und – in letzter Zeit immer mehr – darauf, dass

b) alles, was nicht links ist, automatisch rechts ist.

Denn gerade in der politischen Auseinandersetzung scheinen die Spielregeln der Demokratie für linke deutlich lockerer ausgelegt zu werden als für anderen. Vor allem von einem Großteil der politischen Klasse selbst und der deutlich linksgrün geprägten Medien.

Man kennt das Phänomen seit langem. Gewalt, die von Linksautonomen, zum Beispiel gegen Polizisten, ausgeht, wird selbst von gestandenen demokratischen Politikern und seriösen Journalisten im Vergleich zu rechter Gewalt gerne verharmlost und sogar durch diese relativiert oder gerechtfertigt. Auch Vandalismus oder der Angriff auf Wahlkampfbüros oder Infostände von Parteien sind vielen nur dann eine Meldung oder eine Erklärung wert, wenn sie die Linkspartei oder die Grünen treffen, nicht aber, wenn es sich bei den Opfern etwa um Wahlkämpfer der AfD, FDP oder CDU handelt.

Genauso verhält es sich bei der Störung von Veranstaltungen, die für viele nur dann ein Angriff auf die Meinungsfreiheit sind, wenn dort nicht Thilo Sarrazin, Geert Wilders oder sonst irgendjemand spricht, der nicht nahe genug am linken Rand steht.

Jüngstes Beispiel für die inzwischen alle Bereiche der Politik und Medien erfassende Doppelmoral ist der Versuchte ICE-Rauswurf von Bernd Lucke durch Fans des 1. FC Köln. Man stelle sich vor, was in Deutschland los gewesen wäre, wenn ein versoffener Fan-Proletenhaufen versucht hätte, Gregor Gysi oder Gott bewahre! Cem Özdemir aus dem Zug zu werfen, so dass dieser an jeder Station durch bereitstehende Polizei hätte geschützt werden müssen. Dies hätte wohl ein politisches und mediales Erdbeben auf Rostock-Lichtenhagen-Niveau ausgelöst. Die Zeitungen hätten große Leitartikel über den wiederaufkeimenden Faschismus in Deutschland gebracht, die Tagesthemen hätten in ihrem Kommentar auf für das mit viel Blut erkämpfte hohe Gut der Meinungsfreiheit gepocht, das jetzt mehr denn je gegen seine Feinde verteidigt werden müsse, und der Bundespräsident hätte seinen besten Anzug angezogen und im Zweifel seinen Urlaub abgebrochen, um unheilschwangere Mahnungen an das deutsche Volk auszusprechen.

Aber nun haben die betrunkenen Fußballfans nun mal nicht Gysi, Özdemir oder sonst irgendjemanden aus dem linksgrünen Spektrum angepöbelt und bedroht, sondern nur den „Eurohasser“ und „Rechtspopulisten“ Bernd Lucke von der AfD. Dementsprechend fielen die Reaktionen in Politik und veröffentlichter Meinung deutlich anders aus. Politiker wie Sascha Vogt aus dem SPD-Parteivorstand zeigten unverhohlen Sympathie für die Pöbel-Attacke des Kölner Mobs.

https://www.facebook.com/afd.hamburg/photos/a.602691579741039.1073741828.585678844775646/1028805147129678/?type=1&theater

„11Freunde“, das selbsternannte „Magazin für Fußballkultur“ mit Hang zu offenkundig nicht nur fußballerischen Nostalgie, ließ den politisch-pubertären Jugendgefühlen seiner linken Redakteure freien Lauf, indem es einen Artikel zu der Hass-Attacke auf Lucke auf seiner Facebookseite mit dem neckischen Kommentar „Hut ab!“ versah.

Bildschirmfoto 2015-04-20 um 16.14.01

Selbst bei Bild, wo man sonst für gewaltbereite Chaoten sicherlich kein Verständnis hat, fiel der Artikel über die Fußballfans, die Lucke und seine Frau bedrängten, relativ gemäßigt unkritisch gegenüber der, wie es im Artikel heißt „engagierten Fans“ aus, und wurde sogar mit dem heldenhaften Aussagesatz überschrieben: „Wir wollen keine Nazis hier“.

http://www.bild.de/regional/koeln/bernd-lucke/fc-fans-wollen-afd-chef-vertreiben-40608494.bild.html

Und so heißt es in Deutschland mal wieder: Und täglich grüßt die Doppelmoral, und die Demokratie geht so lange zum Brunnen der Heuchelei, bis sie bricht…

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Ein Gedanke zu “Und täglich grüßt die Doppelmoral

  1. Früher zu Ostzeiten hieß es in der ehemaligen DDR die Westjustiz ist auf den rechten Auge blind.Nun da der Spuk des Sozialismuses vorbei ist ist nun das linke Auge dran.Ich möchte nun nicht den Neonazis ihre Gesinnung loben weil sie in meinen Augen auch ewig gestrige sind.Was die Linken anbieten erinnert mich an die Maschinenstürmer Mitte des 19.Jhd in England ,und es wird kleingeredet .Fragt mal in Berlin Leute deren ihr Fahrzeug abgefackelt wurde weil es zur falschen Zeit am falschen Ort stand.Dies wird nicht mal erwähnt aber wenn son rechter Spinner irgendwo ein Hakenkreuz rankrizelt dann wird der ganze Staatsapperat in Gange gesetzt.

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