Wo sind all die Antifaschisten hin..? Über das laute Schweigen meiner linken Facebookfreunde

10464347_10206232520682801_847206619555165244_nVon Boris T. Kaiser

Obwohl ich die sozialistischen Irrtümer meiner Jugend längst hinter mir gelassen habe, habe ich in meinem persönlichen Umfeld noch immer viele linke Freunde und Bekannte. Besonders über die Sozialen Netzwerke pflege ich mit den Anhängern meiner einstigen Gesinnung oder Verwirrung regen Kontakt.

So kommt es auch, dass ich es immer mitbekomme, wenn sich irgendwo Rechtsextreme oder vermeintlich Rechtsextreme versammeln, da ich schon Wochen vor der „Nazi-Veranstaltung“ so viele Aufrufe zu Gegendemonstrationen in meiner Timeline habe, dass ich kaum noch scrollen kann. Egal ob Pegida, Fragida, Hogesa, Burschenschaftsabende oder auch nur ein Konzert der „falschen“ Band, meine linken Facebookfreunde und Twitter-Follower überschlagen sich beinahe mit meist mäßig lustigen Fotomontagen und Hashtagwortspielen, um auf die Versammlung der Faschisten, die in vielen Fällen einfach nur Demokraten mit einer vom linken Mainstream abweichenden Meinung sind, aufmerksam zu machen und zum Gegenprotest zu trommeln. Es werden launige Veranstaltungen auf die Beine gestellt, bei denen gegen rechts gerockt, vegan gegen Faschismus gekocht und mit Fingerfarben und (Holi)-Gulal-Pulver alles braune bunt gemacht werden soll.

Darüber, ob wirklich jeder, gegen den dort, mitunter nicht immer nur friedlich, demonstriert werden soll, wirklich ein waschechter Faschist ist und ob es zu zur angeblich so hochgepriesenen bunten Gesellschaft nicht auch gehört, dass politisch Andersdenkende ihre Meinung frei kundtun können und dürfen, macht man sich keine Gedanken.

Sei es drum; aktuell steht jedenfalls wieder eine Großveranstaltung an, die wie gemacht ist, um als Antifaschist dagegen zu demonstrieren. Zumal es sich hierbei tatsächlich um ein Event von unbestreitbar echten Faschisten handelt. Am 26.April 2015 findet in der König-Pilsener-Arena in Oberhausen eine Tagung der rechtsextremen türkischen „Grauen Wölfe“ statt. Man stelle sich vor, Lutz Bachmann würde für den nächsten Deutschland-Besuch von Geert Wilders den selben Veranstaltungsort anmieten und ihn auch bekommen. Es würde eine wahre Welle der Empörung und des Protestes losbrechen und ich möchte nicht meine Hand dafür in das sprichwörtliche Feuer legen, dass am Ende die König-Pilsener-Arena noch stehen würde.

Nun kann man sich trefflich streiten, ob Geert Wilders ein Rechtsextremer ist oder eher ein radikaler, liberaler Bürgerrechtler, wie Henryk M. Broder ihn mal beschrieben hat – ich selbst tendiere eher zu zweiterer Einschätzung – eines dürfte bei neutraler Betrachtung aber sicher sein: Die „Grauen Wölfe“ sind in ihrer Ideologie weitaus rechtsextremer als Geert Wilders, Pegida und (nahezu) sämtliche Burschenschaften in Deutschland zusammen. Faschistischer sowieso. Dennoch hört man von linker Seite in Sachen Gegenprotest nur sehr, sehr wenig, um nicht zu sagen, gar nichts. Auch bei meinen sonst so redseligen und protestfreudigen, linksaktivistischen Facebookfreunden und Twitter-Followern herrscht derzeit ein auffällig lautes Schweigen im Walde. Den Online-Protestaufruf bei Facebook gegen die Veranstaltung https://www.facebook.com/events/1630110427212769/ hat bisher kein einziger meiner linken Freunde unterstützt, Unterstützung kam lediglich aus dem eher konservativen/liberalen Lager meines Online-Freundeskreises. Double Standards und Heuchelei scheinen heute noch genauso zum Linkssein zu gehören wie damals, als ich die Szene, zumindest politisch, verlassen habe. Mich hat all dies daher wenigstens wieder einmal in einem bestätigt: Es war die beste Entscheidung meines Lebens, mich als echter Antifaschist von der verlogenen Ideologie der deutschen Linken abzuwenden.

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