Ach Augstein…

Von Boris T. Kaiser

Jakob Augstein glaubt: „Unser Problem ist die Islamophobie, nicht der Islam.“ Offenbar gaben seine anderen „journalistischen“ Steckenpferde Anti-Israelhetze, durch verspätete 68er-Rethorik getragene Klassenkampf-Essays und Warnungen vor dem Amerikaner an und für sich zurzeit nicht so viel her, so dass der belustigend sozialromantische Verleger-Spross mal wieder die Zeit fand sich auf „Spiegel Online“ seinem anderen Lieblingsthema zu widmen. Der Kritik an den Islamkritikern. Zum Anlass hierfür nahm er, wie könnte es anders sein, die völlig aus dem Ruder gelaufene „Hooligans gegen Salafisten“ Demonstration in Köln. Es dürfte wohl das erste Mal sein, dass Augstein sich genötigt fühlt eine Demonstration von Chaoten zu kritisieren bei der es zu Vandalismus und massiven Angriffen auf Polizisten kam. Aber immerhin. Vielleicht kann er sich seine republikanische Haltung in diesem Punkt ja bis zum nächsten 1. Mai bewahren. Zugeben, dass dem so sein wird ist extrem unwahrscheinlich. Schließlich hat Augstein in seinem Artikel auch nicht in erster Linie den Vandalismus und die Gewalt gegen die Polizei kritisiert, diese dienten ihm lediglich als Einleitung für seine eigentliche Kritik an den rassistischen Ausrufen der Demonstranten und damit als Steigbügelhalter zum propagandistischen Rundumschlag gegen jeden der jemals öffentlich oder auch nur im kleinen Kreis ein kritisches Wort über den Islam verloren hat. Die Islamkritiker sieht Jakob Augstein ganz offensichtlich als Stichwortgeber für die ausländerfeindlichen Parolen der Neonazis. Genüsslich zitiert er Zeilen der Rechtrock-Hooliganband „Kategorie C“, die bei dem bizarren Marsch einen Auftritt hatte. Wer „Heute schächten sie Schafe und Rinder, morgen vielleicht schon Christenkinder“ grölt, klingt in Augsteins Ohren offenbar genauso wie jemand der sachlich die Verfolgung und Unterdrückung von Christen in der islamischen Welt kritisiert. „Der Hass auf den Islam breitet sich in Deutschland aus. Er fasst Wurzeln in der Politik und in den Medien.“ meint Augstein und floskelt weiter bedeutungsschwanger vor sich hin: „Hass erzeugt Gewalt.“ Er erwähnt dass es von 2012 bis 2014 achtundsiebzig Übergriffe auf Moscheen gegeben habe. Dass Synagogen heute überall in Deutschland vor islamischen Jugendlichen geschützt werden müssen und sich Juden vielerorts nicht mehr trauen sich äußerlich als solche zu erkennen zu geben erwähnt er nicht. Augsteins Mitgefühl war schon immer ein sehr selektives.

Aktuell gilt es in erster Linie den Opfern der in Deutschland, in seinen Augen, offenbar an jeder Ecke lauernden „Islamophobiker“. Man fragt sich ernsthaft wen Augstein damit meint. Vielleicht jenen Jungen aus Offenbach, der auf Grund seiner jüdischen Herkunft in der Schule täglich von muslimischen Mitschülern angegriffen, beleidigt, bedroht und gemobbt wurde und sich deshalb jetzt gezwungen sah sein Amt als Stadt-Schülersprecher niederzulegen. Über diesen Fall wurde in der deutschen Presse übrigens weitaus weniger berichtet, als über die „Nazi-Klasse“ die sich in ihrer klasseneigenen WhatsApp-Gruppe dümmliche Fascho-Witze und peinliche Nazi-Bilder hin und her schickte. Trotzdem sieht Augstein in den Medien überall Islamhasser. Fälle wie die des jüdischen Schülersprechers oder gar Vergewaltigungen und Steinigungen im Namen des Islam sind für den Salonlinken und Wohlstandsgutmenschen nur „Schauergeschichten“, die ihn zu dem Helge Schneider filmreif grotesken Satz hinreisen: „Selbst wenn diese Geschichten wahr sind, so sind sie doch nicht die Wahrheit.“ Das Leben muss schön sein als dauerrotweinbesoffener Linker. Sollten solche Fälle doch mal wahr und zufällig auch noch die Wahrheit sein, so solle man sie laut Augstein der Polizei und den Geheimdiensten überlassen. Die so von einem Linken in seltener Sehnsucht herbeigerufenen Geheimdienstler und Polizisten könnten sich also direkt auf den Weg nach Syrien oder den Iran machen. Aber bitte zur nächsten HoGeSa-Demo wieder hier und einsatzbereit sein! Alles in allem lese ich aus Augsteins Artikel den Wunsch nach noch mehr Samthandschuhen und mehr Sensibilität in der deutschen Medienlandschaft heraus. Da können wir uns doch alle schon auf seinen nächsten sensiblen Artikel zum Nahostkonflikt freuen.

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