Silvester 2012

Von Boris T. Kaiser

Thank you for the tragedy. I need it for my art.“

(Kurt Cobain)

Das Silvesterfest 2012 stand für mich unter einem denkbar schlechten Stern. Meine Freundin hatte an Heiligabend mit mir schlussgemacht und ich litt unter einer ziemlich schweren Trennungsdepression. Diese führte dazu, dass ich 2 Abende vor Silvester einen mittelschweren Koksrückfall hatte, der mir immer noch in den Knochen steckte. Es war mein erster Rückfall seit über drei Jahren und das allererste Mal, dass ich das Koks von meinem Organspenderausweis gezogen habe. Als ob das alles noch nicht genug wäre wollten meine Freunde auch noch im „Connexion“ feiern. Der Club ist eine der Stammdiskotheken meiner Ex, es bestand also die durchaus realistische Gefahr sie dort zu treffen.

Selbstlesen oder Hören, Ihr habt jetzt die Wahl…

Ich hatte schon die schlimmsten Bilder vor meinem inneren Auge, wie ich sie wildknutschend mit irgeneinem Typen auf der Tanzfläche antreffen könnte. Eigentlich wollte ich das neue Jahr auch gar nicht mehr erleben. An dem Abend meines Rückfalls hat sich mein kokainvernebeltes Gehirn auch bereits die wildesten Selbstmordfantasien ausgemalt. Aber wie ich wieder einmal feststellen musste, ist dieser finale Schritt dann letztendlich doch immer deutlich schwieriger als man vorher glaubt. Man hofft dann immer, dass einen zumindest sein Lebensstil frühzeitig ins Grab bringt. Nach dem Motto: Ich bin zu feige mich umzubringen, also lebe ich einfach so, dass sich die Sache so schnell wie möglich von selbst erledigt. Aber das geht meisten erst mal eine ganze Weile schief. Oder viel zulange gut, wie man es eben sehen will. Wir trafen uns zum Silvestervorglühen in der Wohnung meines alten Freundes M. Ich hatte damit gerechnet, dass wenn ich dort ankomme, meine Freunde ihre Nasen schon wieder fröhlich die über CD-Hüllen schweben lassen. Was später auch der Fall war, aber zu meiner großen Überraschung war in den Stunden bis Mitternacht M. Freudins Mutter anwesend, deswegen wurde erst Mal nur gekifft. Mich selbst hat an diesem Abend die Tatsache dass ich am nächsten Tag fürs Radio schreiben musste von einem weiteren schweren Drogen-Absturz abgehalten. Wenn es um die Arbeit geht, bin ich diszipliniert! Was nicht heißt, dass ich nicht trotzdem einen bunten Cocktail aus legalen und halblegalen  Medikamenten und Aufputschpillen intus gehabt hätte. Im Laufe des Abends habe ich mich dann allerdings doch zu ein paar Zügen am Joint, einer Fingerspitze MDMA, ein wenig Koks und einer ganz kleinen Nase Pepp hinreißen lassen. Ich dachte mir, wenn es angeblich „Kontrolliertes Trinken“ gibt, warum soll es dann kein kontrolliertes Kiffen, Koksen, Peppen und MDMAen geben? Außerdem wollte ich nicht der einzige Diskobesucher im gesammt Connexion sein, der keine harten Drogen im Blut hat. Betrunken und gut zugescheppert machten wir uns nach dem üblichen Raketenabschießen und Champagnertrinken auf der Straßenkreuzung in der Neckarstadt dann also auf in den Club. Ich hatte dort freien Eintritt, weil mich ein befreundeter MC hat auf die Gästeliste setzen lassen. Als ich schon fast auf der Tanzfläche war, brachte mir einer meiner Kumpels auf einmal meine Jacke. Ich hatte sie an der Kasse liegen lassen, weil ich dachte es wäre die Garderobe. Ich war zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr ganz auf der Höhe. Und der Abend wäre wohl, wenn ich einmal ganz ehrlich zu mir selbst bin, wirklich in einem kompletten Absturz-Chaos geendet, wenn nicht irgendwann eine wirklich liebe Neujahrs-SMS meiner Ex gekommen wäre. In diesem Moment war es wieder ein bisschen wie früher. Das Gefühl dass sie mir gegeben hat, war schon immer besser als jeder künstlich erzeugte Rausch dieser Welt. Deshalb habe ich von diesem Moment an auch kein Milligramm Drogen mehr genommen und für meine Verhältnisse sogar relativ wenig Alkohol getrunken. Was gab es sonst noch..? Leichtabgreifbare, zugedröhnte Drum ’n‘ Bass und Techno Schlampen wohin man sah. Aber dafür war es noch zu früh…Viel zu früh…

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