Der letzte Rebell – Ein verspäteter Nachruf auf Hunter S. Thompson…

Hunter_S._Thompson,_1988_cropVon Boris T. Kaiser

„No More Games. No More Bombs. No More Walking. No More Fun. No More Swimming. 67. That is 17 years past 50. 17 more than I needed or wanted. Boring. I am always bitchy. No Fun–—for anybody. 67. You are getting greedy. Act your old age. Relax—–This won’t hurt

(Abschiedsbrief von Hunter S. Thomson)

Falco sagte einst über sich: „Ich bin ein Unangepasster in einer angepassten Branche.“ Und so war er auch. Er war der letzte Rebell in einem Heer von Spießern, Heuchlern und Karrierenutten. Der letzte Bad Boy in einer Welt der vermeintlich netten Männer von nebenan. Der letzte Außergewöhnliche im Meer der Gewöhnlichkeit. Sein Schreib- und Lebensstil war roh, ungeschliffen, hart und tiefgängig. Er hatte so gar nichts mit der glänzend, funkelnd, oberflächlichen Medienwelt seiner Kollegen zu tun. Er fehlt jeden Tag. Und gerade in einer Zeit, in der ein feiger, glattgebügelter, schmieriger Lanz-ismus nicht nur das öffentlich rechtlicher Fernsehen und die Medien, sondern die gesamte Geseillschaft erfasst hat, fehlt er mehr denn je. Man hat wenn es um Selbstmord geht, oft das Klischee eines ichbezogenen Egoisten im Kopf, der sich einen Dreck um sein Umfeld und seine Hinterbliebenen schert. Und in vielen oder vielleicht sogar den meisten Fällen stimmt das wohl auch. Aber sein Selbstmord war ein Akt der Liebe. Sein kompromissloser in jeder Hinsicht neugieriger und angstfreier Umgang mit den Drogen, dem Alkohol und dem Leben hatten Spuren hinterlassen. Ein solcher Way of Life hinterlässt immer Spuren. Sowohl körperliche als auch seelische. Er hat gemerkt, dass seine Spuren so tief waren, dass er für die Menschen in seinem Umfeld, besonders für die, die er so sehr liebte, nur noch unausstehlich war. Die Gewissheit oder zumindest den tiefsitzenden Eindruck, dass seine Liebsten ohne ihn besser dran sind. Es war wie damals bei Kurt Cobain. Auch er wollte die seelischen und körperlichen Spuren seines Lebens nicht mehr ertragen. Und auch er liebte die Menschen so sehr, dass die Konsequenz daraus leider nicht nur ein positiver Umgang mit ihnen war, sondern ein aus der Empathie herausentstandene Unausstehlichkeit.

I’ve become hateful towards all humans in general. Only because it seems so easy for people to get along and have empathy. Only because I love and feel sorry for people too much I guess. Thank you all from the pit of my burning, nauseous stomach for your letters and concern during the past years. I’m too much of an erratic, moody, baby! I don’t have the passion anymore, and so remember, it’s better to burn out than to fade away.
Peace, Love, Empathy.

(Abschiedsbrief von Kurt Cobain)

Eins solche Haltung versteht man oder nicht. Erklären kann man sie jedenfalls nicht. Von einer höheren Perspektiver der Unendlichkeit aus Betrachtet gibt es wohl immer Hoffnung, aber Situationsabhängig sieht die Sache oft anders aus. Manchmal gibt es Situationen, in denen einfach nichts mehr gut ist, und wenn nichts mehr gut ist, muss man es beenden, oder vielleicht auch nicht, ich weiss es nicht. Aber wenn sich jemand entscheidet es zu beenden, müssen wir es wohl akzeptieren, etwas anderes bleibt uns sowieso nicht übrig.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s