Hawaiianische Holzrosensamen ein Selbstversuch

Von Boris T. Kaiser

„Ich war eine zeitlang auf allem was es an Drogen gibt. Ich war nie Ministrant-dafür oft Knecht meiner selbst…“

(Falco)

Meine richtig krasse, üble und auf  so vielerlei Weise unrühmliche Drogenphase habe ich schon ein paar Jahre hinter mir. Damals hatte ich stets eine solide Drogensammlung zuhause. Zumeist bestehend aus Gras, Haschisch, Ecstasy und vor allem Pepp und Koks. Manchmal auch LSD und psychodelische Pilze, aber eher selten. Heute wird man bei mir zuhause keine illegalen Drogen mehr finden. Es wäre also auch völlig unsinnig eine Hausdurchsuchung bei mir durchzuführen. Sollte es Polizei und Staatsanwaltschaft dennoch in den Fingern jucken, kann ich nur sagen, dass anständige und gesetzestreue Leute bei mir immer willkommen sind. Jeder fleißige Staatsdiener der mich besuchen kommen möchte, wird bei mir immer freundlich und höflich aufgenommen werden. Und wenn ich heute auch nicht mehr mit illegalen Drogen dienen kann, so werde ich meine Gäste doch gerne zu einer Tasse frischgemahlen Kaffee einladen, und vielleicht sogar zu ein paar Snacks, je nachdem was der Kühlschrank zu diesem Zeitpunkt geradeso hergibt. Obwohl ich wirklich heilfroh bin, dass ich meine Zeit als Teilzeitdrogensüchtiger weitgehend hinter mir gelassen habe, hat mich eine Sache immer geärgert. Dass ich damals nicht mitgemacht habe, als meine Freunde die hawaiianischen Holzrosensamen ausprobiert haben. Mit diesem fetten Versäumnis in meiner Biografie konnte und wollte ich nicht länger weiterleben. Also entschloss ich mich die Dinger, nun Jahre später doch noch selbst zu testen. Dies ließ sich auch relativ leicht bewerkstelligen, weil hawaiianisch Holzrosensamen in Deutschland, trotz ihrer psychodelischen Wirkung, zu meiner Überraschung, völlig legal sind. Ich ging also einfach in den Headshop in den Mannheimer Quadraten und holte mir ein Döschen davon. Inhalt: 15 Samen zum Preis von elfeuroirgendwas. Bevor die nette Dame im Headshop mir die Drogen verkaufte, ließ sie sich von mir noch meinen Ausweis zeigen. Ich habe mich schon lange nicht mehr so jugendlich gefühlt! Unter erfahrenen Drogenkonsumenten gilt im allgemeinen der Grundsatz: Was legal ist, kann nicht richtig turnen. Dieser Grundsatz sollte  sich auch für mich, zumindest in Teilen bewahrheiten. Der Zeitpunkt für mein Experiment war sicher nicht ideal gewählt. In einer durchzechten Nacht entschloss ich mich so gegen 2 Uhr mit dem Taxi zu einem Freund aus alten Tagen zu fahren um dort mit ihm weiterzutrinken und die Holzrosensamen einzunehmen. Zur Dosierung fand ich im Internet die Angabe“ 2 bis 15 Stück“ was in etwa genauso gut wie gar keine Angabe war. Die meisten schilderten aber schon bei 4 Samen eine ordentliche Wirkung, und so entschlossen wir uns mit dieser Dosis zu starten. Vielleicht lag es an den Unmengen von Alkohol die wir vor, während und nach der Einnahme der Samen zu uns nahmen, oder daran das wir beide in Sachen Drogen einfach schon zu abgestumpft sind, aber wir waren beide der Meinung, dass wir auch nach einer Stunde noch nicht wirklich irgendeine größere Wirkung, geschweige denn eine psychodelische spürten. Deshalb entschlossen wir uns den Rest der Dinger aus dem Döschen auch noch zuzuführen. Doch auch danach trat, zumindest nach unserem Empfinden in der akuten Situation, keine größere Wirkung ein. Abgesehen von der Tatsache dass wir geradezu ekelhaft nostalgisch wurden und in Erinnerung an lange vergangene Drogen- Abenteuer schwelgten. Mein Kumpel beschwerte sich zwar zwischendurch immer wieder dass ich geistesabwesend sei und ihm gar nicht richtig zuhören würde, während er unentwegt auf mich einquasselte, aber dass schob ich darauf dass ich verzweifelt versucht habe mich auf eine Wirkung zu konzentrieren beziehungsweise im Geiste der nicht aufzufindenden Wirkung hinterherjagte. Im Nachhinein muss man sagen, war es wohl wie so oft in solchen Fällen, die Wirkung war wohl stärker als es uns in diesem Moment bewusst war, wenn auch nicht so stark wie wir es uns erhofft hatten. Die Wirkung aus der Kombination aus hawaiianischen Holzrosensamen und reichlich Alkohol war aber immerhin so stark, dass ich es irgendwann für eine gute Idee hielt, mit einer Gaspistole für ein paar Fotos fürs Internet zu posieren. Mein Freund schoss also mit dem iPhone ein paar Bilder während ich ihm, so besoffen und vermeintlich zugedröhnt wie ich war, die geladene Walther P99 ins Gesicht beziehungsweise in die Kameralinse hielt. Wenig später, inzwischen war es draußen hell geworden, machte ich mich dann auf den nachhause Weg. Das Experiment muss insgesamt als gescheitert betrachtet werden und schreit nicht unbedingt nach einer Wiederholung. Sollten wir es aber dennoch irgendwann wiederholen, dann sollten wir den Alkohol weglassen und jeder eine komplette Dose voll einnehmen.

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