Freiwild und Vogelfrei…

Von Boris T. Kaiser
Nun haben sie also wieder ein neues Feindbild gefunden. Wie einst der Gruppe „Böhse Onkelz“ oder später beim angeblichen „Nazi-Rapper“ Fler, haben ultralinke politische Kräfte und vermeintlich liberale Medienvertreter der Band „Frei.Wild“ das Label „rechtsradikal“ verpasst. Die Mechanismen sind immer die gleichen, wann immer im deutschsprachigen Raum eine Band oder ein Künstler auftaucht die oder der sich in irgendeiner Form zu einem wie auch immer gearteten Patriotismus bekennt, schreien zunächst ein paar hypohysterische selbsternannte „Antifaschisten“, die in ihrer Engstirnigkeit und ihrer Intoleranz Faschisten wohl näher sind als so mancher Erzkonservativer, auf und später schließen sich diesem Aufschrei dann „Journalisten“ und Künstler an, die von der Band oder dem betroffen Künstler vermutlich noch nie ein Lied geschweige denn ein ganzes Album gehört haben. Spätestens an dieser Stelle spielt es dann auch keine Rolle mehr, ob sich die kritisierten Musiker ganz klar von jeder Form von politischem Extremismus distanzieren. Sie sind vogelfrei, Geächtete, gehören nicht mehr zur Familie! Die Band „Frei.Wild“ distanziert sich immer wieder von Links- und auch von Rechtsextremismus. Einige Beispiele gefällig..? Kein Problem:

„Wir sind keine Neonazis und keine Anarchisten, wir sind einfach gleich wie Ihr, von hier…“

(Land der Vollidioten)

„Wir tanzen keinen Adolf Hitler,
tanzen keinen Mussolini.
Wir mögen keinen Berlusconi und schon gar nicht diesen Fini.
Wir mögen keinen Marx und Engels.
Auf Bush und Hussein wird geschissen,
also redet jemand anders ins Gewissen…“

(Land der Vollidioten)

„rot und braun
keinem darfst du trau’n….“

(Schwarz und weiß)

„Früher eine Pfeife in der Schule,
Früher ein Arschloch.
Früher mal ein Skinhead,
Früher mal ein Punk,
Früher ein Perverser,
all die Sachen hörst Du und trägst sie bis ins Grab.

[…]

Du hast die Kurve gekriegt und kannst stolz auf Dich sein, denn jetzt bist Du ein Mensch, der den aufrechten Weg geht…“

(Der aufrechte Weg)

Die Liste ließe sich ohne weiteres noch weiter fortsetzen. Zum Beispiel mit den Song „Schlauer als der Rest“ in dem die Band auf ironische Weise Anhänger extremistischer Ideologien von links und rechts gegeneinander auflaufen lässt. Ich kann nur jedem ans Herz legen sich den Song mal anzuhören.

Aber all dies wird „Frei.Wild“ nichts nutzen. Oder vielleicht ist auch gerade die Tatsache, dass sie in ihren Texten immer wieder nicht nur rechten sondern auch linken Extremismus verurteilen, mit der Grund dafür dass viele so gegen sie Sturm laufen. Die mannheimer Piratenpartei hat anlässlich eines „Frei.Wild“ –Konzerts in der Maimarkthalle einen Boykottaufruf herausgegeben, der von Unwissenheit und blindem Antipatriotismus nur so strotzte. So sehr, dass zu befürchten ist, dass die Piraten mittlerweile von den selben neokommunistischen und linksfaschistischen Kräften unterwandert sind, die schon die Linkspartei ins Umfrage-Nirwana geführt haben. Die Kritiker der Gruppe legen immer wieder die „rechtsradikale“ Vergangenheit des „Frei.Wild“ Sängers Philipp Burger (Er war Mitglied der Partei „Die Freiheitlichen“) als Beweis für die politische Verkommenheit der Band vor. Aus ihrer Sicht vielleicht verständlich, aber mir waren Menschen die noch nie im Leben einen Fehler gemacht haben schon immer suspekt. Neben der politischen Vergangenheit des Sängers ist den Kritikern vor allem der „Frei.Wild“ -Song „Wahre Werte“ ein Dorn im Auge. In dem es unter anderem heißt:

„Da, wo wir leben, da wo wir stehen
Ist unser Erbe, liegt unser Segen
Heimat heißt Volk, Tradition und Sprache
Für uns Minderheiten eine Herzenssache
Das, was ich meine und jetzt werft, ruhig Steine
Wir sind von keinem Menschen die Feinde
Doch wir sind verpflichtet, dies zu bewahren
Unser Tirol gibts seit zwölfhundert Jahren. Wo soll das hinführen, wie weit mit uns gehen
Selbst ein Baum, ohne Wurzeln kann nicht bestehen
Wann hört ihr auf, eure Heimat zu hassen
Wenn ihr euch Ihrer schämt, dann könnt ihr sie doch verlassen
Du kannst dich nicht drücken, auf dein Land zu schauen
Denn deine Kinder werden später drauf bauen
Sprache, Brauchtum und Glaube sind Werte der Heimat
Ohne sie gehen wir unter, stirbt unser kleines Volk…“

Ob einem so viel heimattümlicher Pathos nun gefällt oder nicht, ist wohl Geschmacksache, was sich aus dem Text aber mit Sicherheit nicht herauslesen lässt, ist eine rechtsextrem oder gar faschistische Gesinnung der Band.

Gerade viele Linke meinen dennoch genau das zu können. Sie berücksichtigen dabei ebenso wenig die Tatsache das Patriotismus nicht gleich Rechtsextremismus ist, wie die besondere Situation der deutschsprachigen Minderheit im italienischen Südtirol. Was irgendwie schon recht merkwürdig ist, denn normalerweise haben Linke ja durchaus immer große Sympathien für Minderheitsprovinzen etc. die gegenüber ihrem Heimatland und dessen Regierung einen Sonderstatus beanspruchen und ausgiebig ihr Brauchtum pflegen oder gar die Autonomie wollen. Doch sobald dabei deutsch gesprochen wird, sieht die Sache offenbar völlig anders aus. Das ist mir persönlich zu viel Doppelzüngigkeit, zu viel mit zweierlei Maß gemessen, zu viel Verlogenheit. Die Band „FreiWild“ muss einem nicht gefallen. Sie als rechtsextremistisch abzustempeln ist jedoch völliger Blödsinn. Genauso wie es Blödsinn war Fler oder die späten „Böhse Onkelz“ als rechtsextrem abzustempeln. Es ist im Übrigen auch ein gefährliches Spiel dass jene antifaschistischen Kräfte, die es allzu gut meinen, da betreiben. Denn die normalen Leute die massenhaft die Platten dieser Künstler kaufen (auch darüber sollte sich so Mancher mal drüber Gedanken machen, welch großen Teil der Bevölkerung er da mal eben so mir nichts dir nichts in die rechtradikale Ecke drängt) merken natürlich ganz genau, dass der Vorwurf des Neonazismus völlig daneben ist. Wenn Antifaschisten und „Gutmenschen“ trotzdem immer wieder schreien: „Die sind rechtsradikal!“ Wie der Hütejunge der vor dem nichtvorhandenen Wolf gewarnt hat, kann das dazu führen, dass die Menschen abstumpfen und keiner mehr reagiert, wenn der Wolf dann wirklich einmal kommt…

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Ein Gedanke zu “Freiwild und Vogelfrei…

  1. Super Beitrag, Respekt! Schön, dass es noch Leute gubt, die sich die Mühe machen, sich zu informieren und keinen Scheiß schreiben!

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