Ein ganz normaler Abend im… Blue Tower

Von Boris T. Kaiser

„Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Nach einer Weile braucht er einen Drink.“

(Woody Allen)

Es war wie in so vielen Samstagnächten, der Abend ist so schön gediegen losgegangen und endete in einem absoluten Chaos. Unser Freund, der ehemalige Diplomat aus Paris, den ich bereits in meinem Artikel „Ein ganz normaler Abend im Baton Rouge“ erwähnt habe, war wieder zu Besuch. Allen die sich damals mit mir Sorgen gemacht haben kann ich übrigens beruhigen, er hat wieder einen Job. Einen gut dotierten Posten in der freien Wirtschaft. Ich hätte es wissen müssen. Um den Jungen braucht man sich wirklich keine Sorgen zu machen. Jedes Mal wenn ich ihr treffe, bin ich tief beinduckt von ihm. No Homo! Aber ich muss es einfach zugeben: Der Kerl sieht einfach unverschämt gut aus und hat eine Aura, eine Ausstrahlung, eine Dynamik, wie man sie vielleicht bei einem von einer Million Menschen vorfindet. Wenn‘s hochkommt! Er ist der einzige Mann auf der Welt, bei dem ich nicht einmal sauer sein könnte, wenn meine Freundin mich mit ihm Betrügen würde, denn ganz ehrlich: Ich könnt’s verstehen. Dem Mann ist karrieretechnisch alles zuzutrauen. Bis hin zum Amt des französischen Staatspräsidenten. Natürlich nur wenn er aufhört weiter mit Leuten wie uns rumzuhängen, hoho… Wir hatten uns vorgenommen in den „Blue Tower“ zu gehen. Eine Diskothek am Mannheimer Flughafen. Vorher wollten wir im direkt angrenzenden Restaurant“ Lindbergh“ etwas essen gehen. Gesagt/getan.

Ich bestellte mir Gnocchi mit Pesto-Füllung um eine gute Grundlage für den weiteren Abend zu schaffen. Anschließend gab‘s noch heißen Apfelstrudel mit Vanilleeis und einen Chivas Regal. Alles ganz hervorragend! Gut gestärkt gingen wir also rüber in den Blue-Tower. Das Publikum war dort so geht so. Ein ziemlich hoher Altersdurchschnitt und haufenweise Schnösel in Porsche Poloshirts und anderen Aufschneideruniformen. Um ehrlich zu sein, hätte ich es dort früher keine halbe Stunde ausgehalten ohne zu versuchen jemandem mein Glas an den Kopf zu werfen oder ähnliches. Aber man wird ja vernünftiger, ruhiger, toleranter und leider vor allem eben auch älter. Aber dennoch stieg in mir so etwa alle 5 Lieder das brennende verlangen auf, mit einen dieser Poser zu schnappen um seiner DNA auf der gesamten Tanzfläche zu verteilen. Die Musik war übrigens gut. Eine angenehm nostalgische Mischung aus Michael Jackson Songs, „Whoomp! (There It Is)“ Sing Hallelujah und „U Can’t Touch This“. Doch dann kam die Enttäuschung: Wir hatten gerade die zweite Flasche Gin bestellt, oder war es die dritte…? Egal! Jedenfalls machte der Club auf einmal zu. Um 3 Uhr!!! Da hat ja jede Dorfdisko länger auf. Nachdem sich weder DJs noch Türsteher von unseren „Ihr macht euch lächerlich“ und „Ihr seid nur ein Dorfclub“ -Gesängen haben umstimmen lassen, fügten wir uns in unser Schicksal und gingen. Immerhin durften wir die teuer bezahlte Flasche Gin mitnehmen. Was uns allerdings nur bedingt etwas nutzte, weil sie einer meiner Freunde später in einem Anfall von Wut quer über den Bordstein pfeffern sollte. Aber eins nach dem anderen. Wir verließen also wie gesagt die klägliche Veranstaltung. Beim Rausgehen traf ich einen alten Schulfreund der mich euphorisch begrüßte. Nach einigem hin und her und etwas ermüdeten Diskussionen wie der Abend weiter gehen solle, entschließen wir uns für den „Musikpark“ Ich hatte zwar Zweifel ob wir da um die Zeit noch reinkommen würden, aber mein alter Schulfreund versicherte mir, dass er dort Stammgast sei und die Türsteher kenne, es also alles kein Problem wäre. Was dagegen schon ein Problem für ihn war, waren die Leute mit denen ich „Jetzt abhänge“. Er verhielt sich ihnen gegenüber extrem unhöflich und aggressiv. Es war ein bisschen als hätte man seine Ex im Club getroffen, mit der man eigentlich ein sehr freundschaftliches Verhältnis hat, was nur dadurch ein weinig getrübt wird, dass sie immer noch in einen verliebt ist. Besonders einen meiner Freunde hatte er auf dem Kieker und trat immer wieder von hinten gegen dessen Sitz im Taxi. Was später dann auch zu besagter Szene mit der fliegenden Gin Flasche führte sollte. Mein alter Schulfreund war so aggressiv drauf, dass ich nur vermuten konnte, das er was genommen hatte. Und dem war auch so. Als er mir aufzählte was er alles intus hatte, wurde selbst mir, schon alleine vom Zuhören schwarz vor Augen. Am „Musikpark“ angekommen, kamen wir natürlich erst einmal nicht rein. Aber mein alter Schulfreund hatte nicht gelogen. Er sprach kurz mit dem Türsteher und schon konnte ich mit rein. Allerdings nur ich und keiner meiner anderen Freunde. Ich war schon drin im Club, in der Zone zwischen Türstehern und Kasse, als mich mein schlechtes Gewissen gegenüber meiner draußen gebliebenen Freunde plagte. Außerdem lief vor meinem inneren Auge ein Film ab wie die Nacht weiter verlaufen würde, wenn ich jetzt reingehen würde. Wenn du Autor bist und am nächsten Tag einige wichtige Abgabetermine hast, ist es wenig ratsam um halb vier in der Nacht noch mit einem alten Schulfreund loszuziehen, den du seit über 10 Jahren nicht gesehen hast. Erst recht nicht, wenn dieser alte Schulfreund auf so ziemlich jeder Droge ist, die der freie Straßenmarkt zu bieten hat. Ich entschloss mich also im letzten Moment und ohne dass es mein alter Schulfreund merkte, ihm nicht zu folgen und wieder raus zu meinen wartenden Freunden zu gehen. Jetzt war der Abend natürlich ziemlich gelaufen. Wir gingen uns noch in dieser mittelmäßigen Dönerbude ein bisschen nüchtern fressen und fuhren dann mit dem Taxi nachhause. Erst setzte der Taxifahrer meine Freunde ab, dann fuhr er mich nachhause. Leider war der Taxifahrer entweder taub oder einfach nur extrem orientierungslos. Ich sagte ihm, er solle mich auf der Feudenheimer Hauptstraße rauslassen. Während der Fahrt fragte er mich immer wieder, wie er da fahren müsse und beschwerte sich über den dichten Nebel. Ich sagte ihm mehrfach, dass ich ihm da nicht weiter helfen könne, da ich selbst kein Autofahrer bin und erklärte ihm, dass die Feudenheimer Hauptstraße da ist, wo die ganzen Geschäfte sind. Er gurkte weitere endlose Schleifen durch die Region bis er irgendwann meinte am Ziel angekommen zu sein, „Hauptstraße… Da wo die ganzen Geschäfte sind“. Als ich durch den tatsächlich sehr dichten Nebel aus dem Fenster schaute, sagte ich leicht entsetzt: „Jetzt sind wir aber doch in Viernheim, oder???“ Ja, ja Viernheimer Hauptstraße…. Wollten sie doch…“ „Nein! Feudenheimer Hauptstraße habe ich gesagt…“ „Ach Feudenheimer Hauptstraße, sagen sie das doch…“ Hab ich doch! Mehrfach!!!“ „Da wäre es ja ganz einfach gewesen hinzukommen, okay fahren wir…“ Zum Glück hatten wir einen Festpreis vereinbart!

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