Fußball, Ficken, Alkohol…

Messegirl

Von Boris T. Kaiser

Der gestrige Tag stand unter dem schönen Motto: “Fussball, Ficken, Alkohol“.  Zwei meiner Jungs kamen zum Bundesligagucken vorbei: Schalke gegen Bayern. Anschließend sollte es dann auf die Erotikmesse in der Maimarkthalle gehen. Ich habe mich aus Gastfreundschaft gegenüber des einen meiner beiden Freunde der FCB Fan ist, dazu überwunden als Snack zum Fussballspiel Weißwürste mit süßem Senf und Brezeln zu servieren. Als Ausgleich hab ich Heineken ausgeschenkt. Quasi stellvertretend für Huntelaar/Schalke weil es bei uns im ganzen Viertel kein Veltins gab, was mir aber ganz recht war, weil Veltins, auch wenn der Sponsor meines Lieblingsvereins ist, einfach relativ scheisse schmeckt. Die Jungs hatten auch noch einige 05er Flaschen bayrisches Bier und ein 5-Literfass dabei. Der Alkohol floss also in Strömen.

Selberlesen oder Hören, Ihr habt jetzt die Wahl…

Vor dem Spiel haben wir eine kleine Ergebniswette unter Freunden gemacht. Ich habe bei meinem Tipp auf das Schalke VS Bayern Spiel, mal wieder auf mein Herz und nicht auf meinen Verstand gehört, und mein Herz hat mich wieder einmal in die Scheisse geritten! Schalke hat, bei katastrophaler Leistung, zuhause 0:2 verloren. Auf den Schreck brauchte ich erst mal einen Absinth. Wir tranken also jeder ein Gläschen des edlen Künstler- und Dichter-Gesöffs um uns dann zu ein paar weiteren Bieren auf den Balkon zu begeben und uns dort über Weltpolitik und Frauen zu unterhalten. Nachdem wir beschlossen hatten, dass der Chinese auf keinen Fall die Weltherrschaft erlangen darf und dass die meisten Frauen doof sind und uns gestohlen bleiben können, wollten wir uns aufmachen zur Erotikmesse. Aber… Oh Schreck…Oh Schreck… Der Geldbeutel meines Kumpels war weg! Wir haben überall gesucht, in der Wohnung auf dem Balkon, sind sogar mit einer Taschenlampe raus und haben den Garten abgesucht, weil der Geldbeutel ihm ja aus der Tasche gefallen sein könnte… Aber nichts. Nachdem wir bei ihm zuhause angerufen haben und seine Mutter verrückt gemacht haben, auf das sie nachschauen sollte ob er den Geldbeutel vielleicht zuhause vergessen habe, beschlossen wir ohne den Gelbeutel loszugehen. Mein anderer Freund und ich schuldeten unserem Kumpel sowieso noch jeweils 15 Euro von der Fussballwette. Sein Eintritt für die Erotikmesse war also gesichert, und für alles Weitere müssten wir halt dann an diesem Abend sorgen. Aus diesem Grund bin ich auf dem Weg zur Messe auch nochmal Geld holen gegangen. Als ich meinen Geldbeutel aus der Hosentasche nehmen wollte um die Bankkarte rauszuholen, traute ich meinen Augen kaum, ich hatte den Geldbeutel meines Kumpels eingesteckt. Offenbar hat er ihn bei mir auf den Wohnzimmertisch gelegt und ich habe ihn, als ich meine Sachen zusammen gepackt habe, reflexartig eingesteckt. Oder es war mein alter Gangsterreflex. Denn ihr wisst ja: Man kann den Jungen aus dem Ghetto holen, aber das Ghetto niemals aus dem Jungen… Wie auch immer, die Hauptsache war das der Gelbeutel meines Freundes wieder da war. Nur hatte ich natürlich jetzt meinen nicht dabei. Also mussten wir noch mal nachhause und ihn holen. Dann ging es aber wirklich zur Erotikmesse. Nach einem langen Fußmarsch inklusive eines gewaltigen Umwegs, weil wir über die falsche Brücke gegangen sind, kamen wir am Messegelände an. Davor stand erst mal ein großer Imbissstand. Auch geile Böcke müssen schließlich etwas essen. Wir drei geile Böcke entschlossen uns erst mal reinzugehen.

Messeplakat

Im Eingangsbereich wurde neben Intimschmuck auch allerlei Sachen Verkauft deren Bezug zur Erotikmesse mir zumindest nicht auf Anhieb klar wurde. Zum Beispiel diese 50er Jahre-Style-Metallschilder die so viele Küchenwände zieren und die offenbar überall Verkauft werden, wo sich eine größere Anzahl von Menschen versammelt. An immer noch erstaunlich vielen Ständen wurden Porno-DVDs verkauf. Ich meine, kauft die denn heute überhaupt noch jemand? In Zeiten in denen man 24/7 Hardcorepornografie in allen Varianten gratis aus dem Internet beziehen kann… Obwohl ich ja zugeben muss, dass ich schon irgendwie Lust gehabt hätte, mir aus nostalgischen Gründen einen der alten Gina Wild Klassiker zu kaufen, einfach nur um der guten alten Zeiten Willen. Noch mehr Lust hätte ich auf eine Runde Porno-Ping-Pong gehabt, aber keiner meiner beiden Begleiter kennt dieses wunderbar infantile Spiel. Das Publikum auf der Messe war übrigens gemischter als ich dachte. Es waren überraschend viele junge Frauen unter den Besuchern, aber auch ältere Ehepaare um die 70, die es auf ihre alten Tage wohl noch einmal so richtig knattern lassen wollen im morschen Gebälk. Wir entschlossen uns erst mal einen Cocktail zu trinken. Dafür hatten wir am Eingang schließlich einen 2 Euro Ermäßigungsgutschein erhalten. Die Cocktails hatten so lustige Namen wie „Pina Viagra“, „Erotica“ oder Caligula und natürlich gab es auch den Klassiker: „Orgasmus“ Wir entschlossen uns für 3 Caligula, bestehend aus weißem Rum, Wodka O-Saft und Grenadine. Der Cocktail war ziemlich klein, dafür aber stark gemixt. Während wir unsere „Caligulas“ schlürften sahen wir uns ein paar Stripshows auf der großen Hauptbühne an. Die Acts (Ja ich verwende das Wort an dieser Stelle bewusst) auf der großen Bühne waren eher Softerotik als Hardcore. Hardcore sollte es aber in einem kleineren  abgetrennten Bereich zugehen, wurde uns Versprochen. Der Eintritt sollte 10 Euro pro Person kosten. Wir nahmen das Angebot wahr. Die erste Show hat uns ganz gut gefallen. Um ehrlich zu sein sogar so gut, dass wir uns alle Shows die es an diesem Abend noch gab, auch noch angesehen haben. Das wir für das Geld, das die ganzen Shows gekostet haben, auch in der mannheimer Lupinenstraße hätten selber richtig ficken können, war uns zu diesem Zeitpunkt egal. Wir waren uns außerdem Bewusst, dass wir schon viel zu viel gesoffen hatten, als das uns ein Puffbesuch noch allzu viel Freude machen würde. Dann viel mir allerdings ein, dass ich einen solchen Fall ja vorausgesehen habe, und deshalb in weiser Vorrausicht, und schon unter dem Einfluss des Absinths, eine  Cialis-Pille eingesteckt habe, um für alle Fälle gewappnet zu sein. Leider hatte ich nur eine dabei. Was auf 3 Lümmel natürlich nicht wirklich aufging. Aber da mein einer Kumpel zu diesem Zeitpunkt sowieso gerade auf Toilette war, bot ich einfach meinem anderen Kumpel die Hälfte der Pille an, unwissend ob eine halbe überhaupt etwas bringt, zumal sie auch schon etwas älter war. Wir warfen uns jeder eine halbe ein, einfach mal um zu sehen was passiert und vertagten die Entscheidung über einen Abstecher in die Lupinenstraße auf später. Als unser Kumpel von der Toilette wieder kam, gingen wir zu einem Stand, an dem man sich mit einer Dame namens Pussy Kate fotografieren lassen konnte. Meine ungetrübte journalistische Meinung ist übrigens, dass die Damen dort alle schwer in Ordnung waren. Ich habe sowieso mit Leuten aus der Branche, die ich persönlich kennen gelernt habe, menschlich gute Erfahrungen gemacht. Ich verstehe auch nicht ganz, warum Sexberufe bei aller gesellschaftlichen Offenheit und Aufgeklärtheit immer noch so geächtet sind. Ich persönlich finde die Arbeit einer Pornodarstellerin oder auch einer Prostituierten moralisch vertretbarer, als Beispielsweise die eines Bankers oder eines Betreibers einer Inkasso-Firma. Und wer bin ich auch schon, das ich als elender Autor und Gonzo-Schreiberling, der mit jeder Zeile seine Gedanken und Gefühle verkauf, jemanden verurteilen dürfte, der seinen Körper verkauft. Wie meinte schon Klaus Kinski: „Ich hätte lieber eine Straßenhure sein wollen und meinen Körper verkauft haben, als meine Tränen verkauft zu haben und mein Lachen, meine Träume und meine Freude…“  Wir ließen uns alle mit ihr fotografieren. Und sahen uns dann die letzte Hardcoreshow an. Die Wirkung der halben Pille bei mir und meinem Kumpel ließ sehr zu wünschen übrig.

Pussy Kate (rechts)

Wir spürten zwar beide Mal ein kurzes aufbrizzeln, so als wolle das Zeug wirken, aber es hat nicht wirklich richtig eingeschlagen. Es war wohl einfach zu wenig und vielleicht auch schon ein bisschen zu alt. Wir tranken noch ein paar Desperados bis die Messe zugemacht hat, und machten uns dann auf den beschwerlichen Heimweg. Zuhause angekommen hatte ich auf einmal höllische Kopfschmerzen und mir war so schlecht dass ich kotzen musste. Ich weiss nicht ob es vom Alk kam oder von der Cialis, aber mir brummte wirklich tierisch der Schädel und ich musste mir wegen der Übelkeit, zum ersten Mal nach sehr langer Zeit, Mal wieder einen Eimer neben das Bett stellen. So endete also der glorreiche „Fussball, Ficken, Alkohol“ Tag. Und wenn ein Tag voller Fussball, Suff und nackter Weiber mit einem Eimer neben dem Bett endet, hat man entweder einige gravierende Fehler gemacht oder einfach absolut alles richtig…

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