Ein paar Gedanken… zum Interview mit Sven Regener

Hier geht's zum Interview!

Von Boris T. Kaiser

Grundsätzlich gebe ich Sven Regener Recht. Wir brauchen Urheberschutz! Jeder Künstler der was anderes sagt, muss mit dem Klammerbeutel gepudert sein.  Es sei denn er ist so schlecht, dass er weiss das sowieso nie jemand so blöd wäre für seine Arbeit zu zahlen. Aber zu glauben dass ausgerechnet die GEMA für die Rechte der Künstler kämpft halte ich für naiv.  Der Heidelberger Rapper „Torch“ har schon lange vor dem ganz großen Internetboom gerappt: „Unser Geld von der GEMA hat die Nena und das sehn  wir nie…“ Also irgendwie scheint das mit „Wir sind die GEMA“ und die GEMA vertritt unsere Interessen, gerade für Indie-Künstler  nicht so ganz zu stimmen.Was YouTube angeht: Natürlich ist es lächerlich wenn ein milliardenschwerer Konzern wie YouTube nicht bereit ist für jeden Klick zu zahlen. Genau so lächerlich ist es aber, dass die GEMA offenbar nicht bereit ist sich zu bewegen und ein echtes Alternativ-Angebot zumachen. Im Übrigen kann auch jetzt schon jeder bei YouTube Geld verdienen. Wenn er bereit ist in seinen Videos Werbung schalten zulassen. Sonst wären uns so traurige Gestalten wie HerrTutorial  ja schließlich wahrscheinlich erspart geblieben. Natürlich wird da oft für Dinge geworben, von denen sich ein „integerer“  Künstler eigentlich distanzieren müsste, aber früher liefen die Videos auf MTV und Viva. Da hatten die Künstler auch keinen Einfluss darauf was da für Videos Werbung läuft. Mir tun heute noch die Ohren vom „RrrringDingDingDong!“ des Crazy Frog weh. Und Musikvideos sind im Grunde ja auch nur Werbung, die das Produkt (zum Beispiel das Album) bekannt machen und bewerben sollen. Für diese Werbung vom Umworbenen noch Geld zu verlangen, halte ich zumindest für Zweifelhaft. Auch mit seiner These das gute Musik  auf Dauer nicht allein vom Sozialamt finanziert werden kann, hat Sven Regener grundsätzlich recht. Ich selbst sage schon lange: Wenn jemand etwas richtig gut machen will, kann er dies auf Dauer nur wenn er es professionell also hauptberuflich betreibt. Allerdings könnte das Bedingungslose Grundeinkommen, dass die von Regener so verteufelte Piratenpartei fordert, gerade vielen wirklichen Indie-Künstlern dabei helfen. Regener erkennt dies nicht, weil er schon lange kein Indie-Künstler mehr ist. Das ist auch gar nicht schlimm. Er ist gut und verdient auch gutes Geld. So soll es sein! Und zum Glück ist es ja auch immer noch so, und wird vermutlich auch immer so bleiben. Wirkliche Fans werden immer bereit sein, die von ihnen geliebten Künstler und deren Arbeit gerecht zu entlohnen. Zumindest soweit es in ihren Möglichkeiten liegt.  Und da sind wir bei dem eigentlichen Punkt den Wegener verkennt: Das Internet macht Künstler unabhängiger und schafft neue Möglichkeiten Kunst zu veröffentlichen. Natürlich steigt damit in erster Linie auch die Quantität. Die Leute kennen heute viel mehr Künstler und damit auch viel mehr Künstler die sie gut finden. Gerade junge Leute haben nicht die finanziellen Möglichkeiten von jedem alles zu kaufen. Sollen sie deshalb nicht an dieser kulturellen vielfallt teilhaben können? Ich denke das wäre falsch. Die Industrie muss einfach endlich das tun, was sie viel zu lange versäumt hat und was für jeden ordentlichen Geschäftsmann selbstverständlich ist: Sie muss sich den neuen Marktverhältnissen anpassen. Auch und gerade in der Preisgestaltung. Wenn schon Gleichsetzung mit der normalen Geschäftswelt, dann richtig Herr Regener!

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